Beitrag 2: 100 Braunschweiger

Martin Lennartz

Fang an

Ein Meister fordert seinen Schüler: "Fange an, dann wirst Du lernen!"
Der Schüler antwortet: "Ich weiß aber noch nicht genug!"
"Dann warte!"
"Worauf soll ich warten?", wollte der Schüler wissen.
Des Meisters Antwort: "Bis Du anfängst!"


Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Organisation ist ein Ozeandampfer. Sie sind in einer Führungsposition. Was genau ist Ihre Rolle?

Ich bin mir sicher, dass ich diese Frage zu Beginn meiner Karriere wie die meisten meiner Kollegen damals wie heute spontan mit "der Kapitän" beantwortet hätte.
Der Käpt`n hat den Überblick, der hat Erfahrung, der kennt den Kurs und bestimmt, wo es lang geht. Er steht auf der Kommandobrücke, er ist Sinnbild für überlegenes Wissen und Erfahrung, er führt das Schiff, Besatzung und Passagiere sicher zu neuen Ufern.

Heute sehe ich eine völlg andere Rolle, die ich einnehmen möchte. Ein Wechsel der Sichtweise leitet mich weg von der Ego-Perspektive des "Boss an Bord" zur Sichtweise der Passagiere, der Besatzung, der Sender oder Empfänger der an Bord befindlichen Fracht.
Ein Kapitän erteilt Anweisungen. Was aber ist, wenn das Schiff anders tut? Ist es tatsächlich der Kapitän, der den maßgeblichen Einfluss auf das Geschehen an Bord hat? Bestimmt der Chef in einer Organisation, was wirklich geschieht? Eine Organisation, die schlecht geplant und gebaut ist, zu leiten, ist ein fruchtloses Unterfangen.

Ich möchte der Designer des Schiffes sein. Okay, ich stehe nicht für alle sichtbar auf der Brücke, ich bekomme weniger offensichtliche Anerkennung, das Käpt`ns Dinner mit den schönen Frauen entgeht mir. Die Mission ist erst viel später erfüllt, wenn das Schiff seine Fracht immer wieder ans Ziel bringt und unterschiedlichste Gefahren bewältigt hat. Macht und Ruhm gibt es wenig. Dafür die unspektakuläre Rolle dessen, der andere zur Eigenständigkeit befähigt, in ihrer jeweiligen Rolle einen guten Job zu machen. Den Nutzen davon haben Passagiere, Sender und Empfänger von Gütern, Schiffsbauer, Besatzungen und natürlich auch der kapitän. Designer ist nicht so spektakulär wie Kapitän, dafür wirksamer durch den weiteren Horizont. Und mehr für das Ganze als für sich selbst.

Mit der Erfahrung kommt die Weisheit und die Zeiten ändern sich. Was ist wichtig an der Metapher vom Schiff, dem Kapitän und dem Designer:

Es geht um Kunden. Die wichtigste Aufgabe von Führung ist, Werte für Kunden zu schaffen.

Der wahrhaft Führende führt nicht wirklich. Er schafft Rahmenbedingungen für selbstorganisierende Menschen und Teams.

Das Steuerungsinstrument ist die dynamische Vernetzung der beteiligten Menschen. Sie wird geschaffen durch Transparenz, Offenheit, kontinuierliche Verbesserung, Nachhaltigkeit. Die Kommunikation verändert sich von vertikalen Kommandos zu horizontaler Netzstruktur.

So geht`s auch für den Kapitän besser. Denn den brauchen wir auch!

Martin LennartzMartin Lennartz, März 2013

 

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